Beitrag zur Realbrandausbildung der Feuerwehr Bottrop

 

Zur Übung geht’s hinein in Rauch und Flammen

 

Auf dem Kokereigelände hat die Feuerwehr ein Trainigsareal. Dort lernen die Männer, wie sich Feuer verhält und wo die eigenen Grenzen liegen.

 

Wärmegewöhnungsanlage – diese feuerwehrinterne Bezeichnung klingt harmlos, fast niedlich. Doch der Name täuscht. Und offiziell heißen die großen Übersee-Container, die hier auf dem äußersten Zipfel des Kokereigeländes zusammengeschoben sind, auch Realbrandanlage. Der Name macht schon deutlicher, worum es geht. Hier werden Feuerwehrleute in Rauch und Flammen geschickt – zu Übungszwecken.

Diese Realbrandausbildung sei aus zwei Gründen wichtig, sagt Feuerwehrsprecher Michael Duckheim. Durch neue Bau- und Kunststoffe würden Brände immer gefährlicher. Gleichzeitig sinke aber die Zahl der Brände. „Das heißt, es fehlt an entsprechender Erfahrung.“ Und die können die Feuerwehrkräfte – auch die Freiwilligen – auf dieser Anlage sammeln.

 

Der Qualm dringt durch alle Ritzen in jeden Winkel

Dafür wird in einem der Container ein Feuer angezündet. Der Qualm dringt durch alle Ritzen, es ist dunkel, und mit der schweren Schutzausrüstung ist es schwer, sich zu bewegen. Die Männer kriechen über den Boden, müssen sich zunächst orientieren und sich tatsächlich an die Wärme gewöhnen.

„Wir gehen hier kontrolliert an die Grenzen. Jeder soll feststellen, was ein Körper aushalten kann und was auch die Schutzkleidung aushält“, erklärt Christoph Lang, der die Anlage mit konzipiert hat.

Anlage ging im Jahr 2013 in Betrieb

Seit 2013 hat die Bottroper Feuerwehr die Möglichkeit, diese Form der Ausbildung selbst anzubieten. Der Bau der Anlage war Bestandteil des Kooperationsvertrags zwischen Kokerei und Feuerwehr, die auf dem Gelände auch als Werksfeuerwehr im Einsatz ist. Rund 250 Bottroper Feuerwehrleute werden regelmäßig geschult. Ziel sei es, dass jeder von ihnen einmal im Jahr hier trainiert.

Inzwischen brennen die Paletten in dem Container lichterloh. Nun rücken die Männer ganz nah an die Flammen heran. Mit Lagerfeuerromantik hat das nichts mehr zu tun. „Wir müssen auch lernen, richtig zu löschen“, erklärt Ausbilder Dennis Boenigk. Deshalb arbeitet die Truppe vor Ort mit dem so genannten Strahlrohr, also dem Teil des Schlauchs, aus dem das Wasser kommt.

Wasser wird sofort zu heißem Dampf

Ähnlich wie bei einem entsprechenden Gartenschlauchaufsatz lässt sich auch hier der Strahl einstellen. Nur spucken die wenigsten Gartenschläuche 240 Liter Wasser in der Minute aus. Doch die Zeiten, wo man tausende Liter Wasser genutzt hat, um einen Wohnungsbrand zu löschen, sind vorbei, sagt Boenigk. Denn das verwandelt sich sofort in heißen Wasserdampf. Und der dringe im Zweifel sogar durch die Schutzkleidung. „Wir müssen das Feuer also gezielt lenken und löschen. Das üben wir hier.“

Derweil haben sich die sechs Männer im Container auf den Boden gehockt. Hier ist die Sicht noch einigermaßen, denn der Rauch sammelt sich unter der Decke. Dort wird es immer heißer. Ausbilder Frank Lindemanns: „Wir bewegen uns eigentlich nur im Bereich bis zur Höhe der Türklinke. Da herrschen ungefähr 70 Grad.“

Palette unter der Decke entzündet sich

Die Feuerwehrmänner verharren in ihrer Beobachtungsposition. Denn es gehe auch darum zu erkennen, wie sich ein Brand entwickelt, sagt Boenigk. Er deutet auf eine Palette, die unter der Decke hängt. Irgendwann wird auch die brennen, und dafür muss sie nicht einmal direkt den Flammen ausgesetzt sein. „Wenn die Temperatur hoch genug ist, entzündet sie sich.“ Hier im Übungscontainer sei es nur eine Palette unter der Decke, im Ernstfall könne es der Schrank hinter dem Retter sein, der ihm dann brennend den Rückweg abschneidet. „Auf all solche Fälle müssen wir vorbereitet sein. Und dabei hilft uns diese Anlage“, sagt Duckheim. - Es geht eben um mehr als Wärmegewöhnung.

 

Quelle: https://www.waz.de/staedte/bottrop/zur-uebung-geht-s-hinein-in-rauch-und-flammen-id211615867.html# 18.08.2017

   
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